Trauma und Yoga - Ein Crossover mit Ann-Sophie Briest

Shownotes

In dieser besonderen Crossover-Episode sprechen Katherina Bock und Ann-Sophie Briest über ein Thema, das oft missverstanden wird: Trauma und Yoga. Gemeinsam klären sie, was Trauma wirklich bedeutet und wie es sich vom „normalen“ Stress unterscheidet. Sie zeigen, warum der Körper der entscheidende Schlüssel für Heilung und Regulation ist – und weshalb es gerade die eher sanftere, traumasensible Yogapraxis ist, die nachhaltig wirkt. Es geht um Sicherheit, Erdung, Atem, achtsame Haltungen und die Bedeutung eines geschützten Rahmens, in dem Heilung möglich wird. Dabei wird deutlich: Sanft ist nicht schwach, sondern stark – und eröffnet Wege zu mehr Selbstwahrnehmung, Resilienz und Lebendigkeit im Alltag.

Transkript anzeigen

00:00:00: Ich freue mich riesig!

00:00:30: Kati, dass wir jetzt gemeinsam in unser Gespräch eintauchen können.

00:00:34: Herzlich willkommen.

00:00:35: Toll, dass du Zeit hast.

00:00:37: Ja, hallo Anne-Sophie.

00:00:38: Ich freue mich auch, wie verrückt, dass wir hier ein zweites Mal tatsächlich ja schon gemeinsam ein Podcast aufnehmen und machen das heute in Kooperation.

00:00:51: Das heißt, ihr werdet das einmal hören bei Anne-Sophie's Wundervollen Podcast.

00:00:56: Ich sage gern selber.

00:00:58: Ganz

00:00:58: genau.

00:00:58: Ihr hört es einmal bei mir, Weisheit trifft Wissenschaft und auch bei dir, Kathi, in deinem Podcast.

00:01:03: Ja, bei

00:01:04: Omnids Alltag, Yoga jenseits der Klischees.

00:01:08: Und...

00:01:08: Ja, wir konnten uns gar nicht so richtig entscheiden, weil wir beide, glaube ich, da auf so vielen Ebenen ähnlich denken, ähnliche Dinge bewegen möchten und... Also ich bin voller Vorfreude, dass wir diese Synergien und einfach ja auch die Wertschätzung diesem Austausch gegenüber mitbringen.

00:01:28: Ja, das ist so.

00:01:29: Und wir haben uns heute ein ganz, ganz spannendes Thema, finde ich, rausgesucht.

00:01:34: Wir wollen über Trauma und Yoga oder Yoga und Trauma sprechen, weil das glaube ich gerade ein sehr, sehr, schon eine Weile auch wirklich auch ein sehr, sehr großes Thema ist in der Yoga-Welt.

00:01:47: Und wir finden, da gibt es eine Menge dazu zu sagen, sowohl wieder auch in wundervoller Beleuchtung des Backgrounds mit wissenschaftlichen... Infos dazu oder Stand der Dinge bis hin zu ganz, ganz praktischen Alltagsbezügen oder dem, was so relevant ist, wirklich ganz, ganz praktisch auf der Yogamatte und im Alltag oder auch im Unterrichten.

00:02:08: Also, genau, wir freuen uns, wenn du Lust hast, zuzuhören.

00:02:12: Und ja, wie starten wir nochmal gleich mit einer Definition vielleicht?

00:02:16: Oder wäre schon gut, das nochmal zu machen, einmal vorab?

00:02:19: Ja,

00:02:19: absolut.

00:02:21: Was ich vielleicht noch sagen möchte, Kati, das ist ja eigentlich so spannend, weil uns das Thema ja auch überhaupt zusammengeführt hat.

00:02:28: Das war ja die beide Unterrichten jedes Jahr auf dem Yoga-See und Sound Festival.

00:02:34: Und ich hatte eine traumasensible Yoga-Einheit.

00:02:37: Du warst da, wir sind ins Gespräch gekommen.

00:02:40: Und seitdem, auch wenn es erst der zweite Podcast ist, habe ich das Gefühl, da sind schon so viele andere... tolle Gespräche entstanden.

00:02:48: Man muss ja nicht immer gleich das Mikrofon mitlaufen lassen.

00:02:50: Aber eigentlich ist es ja so ein bisschen das Herzstück, wie wir uns kennengelernt haben, um so schöner jetzt dieses Thema nochmal aufzugreifen.

00:03:00: Wie du es ja auch gesagt hast, das Thema Trauma im Moment ist gefühlt, also für mich zumindest gefühlt in aller Munde.

00:03:07: Wir haben ja eben auch schon ein bisschen vor unserer Aufzeichnung gesprochen.

00:03:10: Ich finde fast schon zu viel.

00:03:12: Also der Begriff wird für mich fast schon inflationär benutzt.

00:03:17: Und darüber ja auch auf einer gewissen Ebene etwas, was die Tiefgründigkeit und auch die, ich sag jetzt mal gesundheitlich und medizinische Gewichtigkeit ein Stück weit auch entwerten kann.

00:03:31: Wenn alles, was irgendwie ein bisschen schwierig war, gleich traumatisch oder traumatisierend war, was bleibt dann noch übrig?

00:03:38: Also die Frage, was ist eigentlich Trauma, wie definieren wir das?

00:03:42: Das ist, glaube ich, super, super wichtig.

00:03:44: Jetzt unser Gespräch.

00:03:46: Aber ich finde auch an Zivilisierung, wie benutze ich denn überhaupt diesen Begriff?

00:03:51: Wann ist er angemessen und wann hat es aber tatsächlich auch nicht mehr wirklich was mit Trauma zu tun?

00:03:57: Ja.

00:03:57: Ja, ist richtig.

00:03:58: Ich glaube, man muss das auch immer unterscheiden, ob man jetzt einen kleinen Moment hat oder einen kleinen Auslöser, wo man sich gestresst fühlt.

00:04:06: Oder man ist in einer längerfristigen Belastung, aber das ist nicht alles gleich Trauma.

00:04:11: Was man wirklich, wie du sagst, was wirklich fast umgangssprachlich irgendwie so mit im Wortschatz drin ist, dann ist es gleich ein Trauma, wenn man irgendwie... Was weiß ich?

00:04:22: Weil es mal zu kalt war, wenn man draußen saß.

00:04:25: Sag ich jetzt mal so plump.

00:04:28: Genau, das finde ich ganz wichtig.

00:04:29: Auch das nochmal wirklich auch zu sehen, was Trauma wirklich bedeutet.

00:04:34: Nämlich das in dem Moment.

00:04:35: Also wir haben verschiedene Ebenen auch von Trauma.

00:04:38: Aber ich denke immer im Yoga-Kontext, von dem wir am meisten sprechen, sind ja wirklich emotionale Traumata.

00:04:46: Und das bedeutet wirklich... dass in dem Moment, wo wir etwas erleben, dass uns so überfordert, dass wir das einfach nicht verarbeiten können und dass das deswegen uns in den Modus bringt von... also unterschiedlich auch je nachdem wie es sich zeigt, dann... dass das wirklich einen ganz hohen Leidensdruck auch im Alltag bedeutet, dass man Träger hat, wo man in Panik kommt oder in den Frees.

00:05:14: Und das ist wirklich für die Lebensqualität und auch die Gefühle.

00:05:18: Die Gefühle ist ja die innere Sicherheit.

00:05:22: Eine unglaubliche Einschränkung und mit einem wirklich langen Leidensweg für viele, die in unterschiedlichster Art und Weise da was mittragen.

00:05:35: Ja, genau, sehe ich ganz genau so, was ich vielleicht noch ergänzen möchte.

00:05:40: Ich finde auch die Sicht aus dem autonomen Nervensystem heraus ganz spannend zu sagen.

00:05:47: Bis zu einem gewissen Punkt ist die Aktivierung im Nervensystem unter Stress, leichtem, starken Stress zu Beginn identisch mit der im Nervensystem stattfindenden Aktivierung bei Trauma.

00:06:01: Und dann gibt es irgendwann diesen Punkt, wo aus einem starken, stärksten, maximal wahrgenommenen Stress ein Punkt kommt, den kann man unterschiedlich benennen.

00:06:13: Ich benenne ihn jetzt einfach mal als den Punkt der Überwältigung.

00:06:17: Und das spricht genau das an, was du gerade gesagt hast, dieses emotionale, also subjektiv für mich völlig losgelöst von dem, was gerade im Außen passiert, aber für mich Eine Empfindung, eine Einschätzung.

00:06:32: Ich bin jetzt nicht mehr in der Lage, mit meinen momentanen Ressourcen diese Situation zu händeln.

00:06:39: Ich bin überfordert, ich bin überwältigt, ich bin absolut ausgeliefert, hilflos, machtlos, tot.

00:06:47: Todesangst.

00:06:49: Das ist so das Kaliber.

00:06:51: an Empfindung, was es braucht damit der Körper dann und das ist der Unterschied zwischen der normalen Stresskaskade, die uns ja auch eine starke Aktivierung mit Panik, mit Angst, mit maximaler auch Aktivität im Körper führen kann.

00:07:07: Das ist der Punkt, der Punkt der Überwältigung, wo unser Körper quasi den Joker zieht und aus einem Umstand einer Situationen, in der wir eigentlich keinerlei Ressourcen mehr nutzen können.

00:07:21: doch noch einen Weg findet, weiterzuleben und damit klarzukommen.

00:07:25: Und dann kommt genau das, was du gerade schon gesagt hast, Kati.

00:07:28: Dann kommen eben genau unsere Joker-Karten, wie der Freeze, wie die zum Beispiel auch Dissoziation.

00:07:35: Also

00:07:36: ich bin da, aber irgendwie doch nicht da.

00:07:38: Der Körper findet noch in der Situation statt, aber psychoemotional habe ich ausgecheckt.

00:07:44: Das sind alles wahnsinnig intelligente.

00:07:48: Coping-Strategie in unseres Körpers, die aber nur dann gezündet werden, wenn wir wirklich in dieser obersten Aktivierung der Aussichtslosigkeit, wenn wir uns dort erlebt haben.

00:07:59: Und etwas, was mir ganz, ganz wichtig ist.

00:08:01: Und dann schließe ich diese Definition auch ab.

00:08:04: Lange Zeit hat man immer noch auch die äußeren Umstände als Marker genommen, wie stark ein Trauma ist.

00:08:12: Und das ist immer noch in vielen Köpfen vertreten.

00:08:14: Da gab es die Small Tees.

00:08:16: Kleines Trauma und die Big Tees, großes Trauma.

00:08:20: Zum Beispiel Krieg oder irgendwelche Naturkatastrophen oder was auch immer, das waren die Big Tees.

00:08:26: Und mittlerweile weiß man, natürlich gibt es wahnsinnige äußere Stressfaktoren, aber das heißt noch lange nicht, dass alle Menschen, die das erlebt haben, im gleichen Maße traumatisiert sind.

00:08:41: Einige haben einfach einen super starken Stress erlebt und andere sind dann traumatisiert.

00:08:46: Also das ist etwas, was ganz, ganz wichtig ist, dass wir das, was im Außen passiert, vollkommen lösen von der eigenen, subjektiv wahrgenommenen Empfindung, war das jetzt gerade überwältigend oder bin ich mit meinen Ressourcen noch zurechtgekommen?

00:09:02: Das wäre jetzt mal so eine kleine Definition.

00:09:06: Was ist Trauma und was ist einfach starker Stress?

00:09:09: Das ist auch heavy und wirkt

00:09:11: natürlich auch im Körper

00:09:12: nach.

00:09:13: Aber wir haben ganz andere Ressourcen, als wenn wir in den Freeze oder in eine Dissoziation gehen, wie mit Trauma.

00:09:19: Ja, absolut.

00:09:20: Da hast du zwei auch noch mal so ganz schöne Sachen gesagt.

00:09:23: Einmal, dass es auch einen Sinn hat natürlich.

00:09:26: Das lieb ich immer an so Sachen auch an all den Themen, dass man sagt, okay, es ist eigentlich erstmal auch ganz positiv von unserem System gemeint.

00:09:36: Es will uns eigentlich beschützen.

00:09:38: Auch wenn wir das mit Sicherheit in diesem Moment nicht unbedingt so erfahren, aber es ist eigentlich ein wirklich absoluter letzter Überlebensmodus sozusagen für unser Gesamtsystem, der da in Aktion tritt oder alarmiert wird.

00:09:53: Und ich finde das immer schön, dass man das einmal auf dem Schirm hat.

00:09:57: Und zum anderen finde ich auch schön, dass du gesagt hast, das ist ja wirklich verrückt.

00:10:02: Also das sind, wenn man zwei Menschen nimmt, die das Gleiche erleben, es ist wirklich immer die inneren Ressourcen und auch das innere Erleben oder die eigene Fähigkeit auch eben manchmal auch Erfahrung, finde ich, die einen da durchträgt, dass man in der Lage ist, mit einer Situation umzugehen.

00:10:21: oder eben diese starke Überforderung einfach auch erlebt.

00:10:25: Das ist, glaube ich, auch nochmal ein guter Punkt, der eine schöne Brücke macht, finde ich, zu unserem so geschätzten Yoga-Praxis, weil das ist eine ganz spannende Frage.

00:10:38: Also zum einen finde ich auch jetzt im Gespräch auch nochmal so ganz deutlich, also auch da... ... docken wir jetzt ein zweierlei Hinsicht so an.

00:10:47: Zum einen ist Yoga, wenn man, ich finde das immer so ganz irgendwie cool zu sagen, ... ... sind wir wie so ein kleines Breitband ... ... für die Resilienz oder die Ressourcen auch.

00:10:59: Also es schafft uns auf vielen Ebenen eine ... ... ja vielleicht ein Vertrauen, auch eine Sicherheit mit uns selbst, ... ... um vielleicht auch ... ein bisschen gestärkter zu sein, falls mal wir in so eine überfordernde Situation kommen, da würde ich Yoga tatsächlich auch sehen.

00:11:16: Also sozusagen mehr im präventiven Traumapräventionsbereich.

00:11:22: Ja, unbedingt.

00:11:23: Also die Ressourcen werden ja unglaublich gestärkt.

00:11:26: Absolut.

00:11:27: Ja, klar.

00:11:28: Ja, das ist schön.

00:11:29: Und die anderen natürlich, denke ich, wo wir heute noch mal mehr hin wollten, ist natürlich auch, was es für ein unschätzbaren Wert hat oder ein unglaubliches Potenzial für Trauma oder vor allem wirklich auch in Trauma-Verarbeitung, Trauma-Auflösung einfach den Körper in die Praxis mit einbeziehen, weil das ist auch so... Wunderbar, also die alten Yogis haben das nicht so benannt, aber genauso gearbeitet.

00:11:59: Und ja, also gerade auch wirklich die ganze harte Yoga Tradition und auch... Also natürlich wissen wir das heute auch aus ganz vielen wissenschaftlichen Studien und Erkenntnissen, wie stark wirklich der Körper an diesen ganzen Beteiligt ist, also dass man das nicht versucht auf einer intellektuellen... Ebene aufzulösen, sondern wirklich unser Körper ist ja der Ort, wo all das gespeichert ist.

00:12:27: Und das ist eben diese Wahnsinnschance, wie ich immer finde, sowohl bei Stresserfahrung oder... Also kleiner weniger Stress oder Belastung, aber natürlich auch im Traumakontext, wo ja wirklich auch erwiesen ist, dass wenn bei schlimmen Traumatisierungen, wenn die Menschen, wenn man in den Spiegel guckt, erkennt man sich selbst nicht.

00:12:46: Also so weit kann man sozusagen weg sein wirklich von sich selber und diesem.

00:12:53: ich spüre mich, ich fühle mich und das ist eben, also dafür ist Yoga einfach auch wunderbar auf allen Ebenen da anzusetzen und den Körper eben mit.

00:13:04: reinzuholen.

00:13:05: Und da bin ich mir sicher, dass du da eine Menge dazu zu sagen hast als Sophie.

00:13:09: Also

00:13:10: klar, ich finde unsere Yoga-Praxis, ganz egal wie sie aussieht, ob sie vielleicht eher einen Arsana-Fokus hat, wo ja genau auch Körperwahrnehmung wieder stattfinden darf, in einem sicheren Rahmen stattfinden darf, dieses Thema Sicherheit.

00:13:26: Ich will jetzt nichts vorwegnemen.

00:13:28: Sollten wir gleich auch nochmal

00:13:29: etwas

00:13:30: mehr anschauen.

00:13:32: Aber auch eine Achtsamkeitspraxis, ob das in Bezug auf Atemübungen ist oder meinetwegen ein bewusstes Spazierengehen oder ein achtsames Essen oder was auch immer.

00:13:43: Also ich erlebe auch die Art und Weise, wie ich den Begriff Yoga nutze, sehr breit.

00:13:49: Das ist nicht nur Mathe aus Rollen, Sonnengrüße machen, sondern wirklich Yoga breiter gedacht.

00:13:54: Gibt ja so viele Eintrittspforten.

00:13:57: Und das, was mir gerade gekommen ist, als du erzählt hast, ist, Ich erleb das ganz häufig, weil zu mir ja auch viel die Leute in die Sprechstunde kommen, also sprich, wir haben die Möglichkeit für ein Einzelsetting, was gerade in einem Traumakontext manchmal super wichtig ist und manchmal auch wahrscheinlich der richtige erste Schritt nicht in einer großen Gruppe, sondern wirklich im Einzel sich das Ganze gemeinsam anzuschauen, um diese Sicherheit zu ermöglichen.

00:14:26: Und was ich da häufig sehe ist, dass zum Beispiel andere therapeutische Verfahren wie Gesprächstherapie, wie Verhaltenstherapie schon stattgefunden haben, teilweise wiederholt und über Jahre und die Leute ein Stück weit immer wieder ähnliches sagen, nämlich, das war wertvoll.

00:14:45: Ich habe so viel über mich verstanden.

00:14:47: Ich habe vielleicht auch beteiligten anderen Personen vergeben können.

00:14:52: Ich habe Akzeptanz und Verständnis aufbringen können und bin da echt weitergekommen.

00:14:59: Und merke, dass wenn durch gewisse Umstände Trigger gesetzt werden, dass ich da stehe, wieder ox vom Berg und kann nichts machen.

00:15:10: Da hilft mir die Gesprächstherapie nicht, da hilft mir all die Arbeit der letzten Jahre, Jahrzehnte nichts.

00:15:15: Ich habe das Gefühl, ich bin genau an dem gleichen Punkt.

00:15:19: Können wir da was machen?

00:15:20: an Sophie?

00:15:22: Und meine Antwort ist ja natürlich, können wir da was machen?

00:15:26: nicht im Sinne eines Heilversprechens, sondern im Sinne von, wir beziehen jetzt eben auch den Körper und damit die Physiologie mit ein.

00:15:35: Denn was häufig passiert ist, wenn wir uns in einem Gesprächssetting wiederfinden, dann haben wir häufig die Situation, dass wir völlig entrückt von der ursprünglichen Situation quasi in einer gewissen, sicheren Distanz über bestimmte Dinge reden.

00:15:53: Wir können das einordnen, wir können das interpretieren, wir können das vielleicht sogar auch neu interpretieren, aber wir sind eigentlich in Gehirnbereichen unterwegs, die wir als präfrontalen Cortex dort, wo wir kognitiv denken können.

00:16:07: Da sind Gespräche möglich, da können wir abwägen, da können wir Altes mit jetzigen Vergleichen wunderbar.

00:16:14: Das geht allerdings nur bis zu einem gewissen Grad der Aktivierung im Nervensystem.

00:16:20: Denn auch unser Nervensystem hat natürlich immer, also unser Körper, hat immer die höchste Priorität, dass wir überleben.

00:16:28: Immer.

00:16:29: Das ist sozusagen das tiefste innere biologische Programm.

00:16:33: Und je mehr die Aktivierung reingeht, umso eher verschieben sich auch die Areale in unserem Gehirn, auf die wir noch bewusst zu Griff nehmen können.

00:16:43: Das bedeutet, wenn der Stressreiz kommt, und meistens ist das dann ja nicht so ein bisschen Stress, sondern meintet wegen... In der Fußgängerzone ein Mensch, der vorbeigeht, der einen Parfum aufgelegt hat, was dann vielleicht an einen Menschen, der mir körperliche Schmerzen und Leid zugefügt hat, erinnert.

00:17:03: So schnell kann ich gar nicht denken, dann ist der Reiz, der Ulfag, also der Riechreiz, schon oben angekommen.

00:17:10: Die Erinnerung ist getriggert und mein Nervensystem ist gerade wieder in der maximalen Aktivierung.

00:17:15: In dem Moment kann ich physiologisch.

00:17:18: nicht auf meinen normalen kognitiven Fähigkeiten zurückgreifen.

00:17:22: Das ist so nicht vorgesehen, sondern dann fährt der Körper in den völlig anderen Modus, in den Überlebensmodus, wo wir bis zu der Maximalvariante quasi nur noch Zugriff haben auf das, was wir Reptilienhirn nennen.

00:17:37: Also Hirnstammen, irgendwelche tiefprogrammierten emotionalen Muster und das war's.

00:17:44: Da gehen meine zehn Jahre Gesprächstherapie in einer Zehntelsekunde gerade über ein Jahr da an.

00:17:50: Da habe ich überhaupt keinen Zugriff.

00:17:52: Und das ist so wichtig, dass wir jetzt, das war jetzt ein langer Bogen, aber dass wir anerkennen, es gibt für jede Modalität der Aktivierung, gibt es verschiedene Ressourcen.

00:18:04: Und das Kognitive habe ich nur zur Verfügung, solange ich einigermaßen in Anführungszeichen entspannt unterwegs bin.

00:18:12: Sobald der Träger kommt, kann ich darauf faktisch nicht mehr zugreifen.

00:18:17: Und das ist keine Unfähigkeit, das ist keine schlechte Therapie, das ist einfach Biologie.

00:18:23: Und das

00:18:24: zu wissen, ist für mich allein schon mal eine Erleichterung, weil dann weiß ich, okay.

00:18:29: Welche Ressource greift dann noch in welchem Stadium?

00:18:32: Und wenn wir in dieser hoch aktivierten Phase unterwegs sind, wo ich irgendwo noch im Hürnstamm und irgendwelchen sozusagen primitiven Überlebensmustern unterwegs bin, dann braucht es Körper.

00:18:45: Dann braucht es Erdung, dann braucht es Atmung.

00:18:48: Das sind die Dinge, die dann noch wirken.

00:18:50: Völlig egal, ob das jetzt in dem Moment mich Ganz konkret an die Situation des dramatischen Erlebnisses erinnert oder nicht.

00:18:58: Es geht dann ums hier und jetzt und im Körper sozusagen zu arbeiten und mit diesen Ressourcen unterwegs zu sein.

00:19:06: Da kann Yoga unglaublich viel bieten.

00:19:09: Aber auch da finde ich die Einteilung schön, weil wir unsere Yoga Praxis zu verschiedenen Aktivierungsstufen ja nutzen können.

00:19:16: Du hast sogar gesagt, wir können es vielleicht präventiv nutzen, dass wir die Ressourcen stärken.

00:19:21: Ja, mega.

00:19:23: Selbst Wahrnehmung fördern, aber ich kann auch mit verschiedenen Techniken und am Schluss ist es ganz viel den Kontakt zum Boden spüren, vielleicht auch die Augen öffnen, um mich im Raum zu orientieren.

00:19:35: vielleicht mit einem Widerstand, einem Kissen oder einem Gewicht auf dem Bauch wirklich zu spüren.

00:19:41: Dort atme ich gerade rein.

00:19:43: So solche Basics sind bei einer starken Aktivierung das, was uns wieder in eine bessere Regulation führen kann.

00:19:50: Da muss ich nicht auf jemanden einreden.

00:19:52: Da muss ich nie sagen, erinnere dich an unsere letzte Session, wie du damals dann völlig irrelevant.

00:19:58: Also zu sehen, wie kann ich in der entsprechenden Situation adäquate Übungen anbieten, finde ich einfach mega.

00:20:07: Und da sehe ich über das Yoga zu jeder Aktivierungsstufe verschiedene Tools.

00:20:13: Ja, absolut.

00:20:14: Das ist schön, schön gesagt.

00:20:16: Und auch nochmal zu verstehen, dass das auch, also ich finde es hat wirklich alles so seinen guten Platz.

00:20:22: Also ich glaube auch, dass eine Verhaltenstherapie total wichtig ist, solange ich eben nicht auf diese Stufe komme, wo ich darauf nicht mehr zugreifen kann.

00:20:30: Also, dass das alles so wunderbar auch Hand in Hand gehen kann, aber der Körper auf jeden Fall nicht eigentlich, also sag ich mal, das können wir Yoga-Therapeutinnen oder Yoginis können das so sagen, der Körper sollte einfach auf gar keinen Fall außen vorbleiben.

00:20:45: Richtig.

00:20:46: Vielleicht kennt das auch jeder so aus der Praxis, aus der eigenen Yoga-Praxis, wenn man wirklich anfängt zu arbeiten über immer auch... Asana-Erdung über den Atem wirklich in den Öffnen kommt oder loslassen.

00:21:01: Meditation, das glaube ich.

00:21:03: kennen wahrscheinlich die meisten, die da eingetaucht sind oder auch mit Yoga unterwegs sind, dass man auch mal Tränen hat oder Emotionen oder es kommt eine bestimmte Situation hoch, manchmal so ganz positive Erinnerung oder so in so einem ganz bestimmten Zustand.

00:21:19: Da kann man vielleicht gut verstehen auch, wie tiefgehend das arbeitet und wie sehr dieser Körperspeicher einfach auch.

00:21:28: eine Relevanz hat in der Praxis.

00:21:30: Also ich finde das immer wieder auch nach weit über zwanzig Jahren Yoga-Praxis, finde ich das immer wieder aufs Neue so beeindruckend und bin also aus der Erfahrung heraus auch.

00:21:42: Also das bestätigt alles, was die Wissenschaft da hervorbringt.

00:21:46: Ich bin so zutiefst überzeugt, dass wirklich unser Körper, man spürt es, All das hält, was also so viel an Situationen, Erlebnissen, an Emotionen.

00:21:58: Das ist alles da drin, das ist voll verrückt.

00:22:00: Also ich bin da auch eher in großer Dankbarkeit, was der Körper überhaupt zu halten, vermag.

00:22:06: Und dann klar ist es irgendwie, dann sind es die Nackenverspannungen oder der untere Rücken tut weh.

00:22:11: Das sind ja dann wirklich so die, sag ich mal, eher... den meisten gut vertrauten Alltagsphänomene, die aber auch zeigen.

00:22:19: Also das ist eben wieder eher, sag ich mal, auf der Stress oder vielleicht auf Belastungsebene weniger Trauma, die aber dieses nochmal so ganz, finde ich, deutlich machen, wie das wirklich funktioniert, dass unser Körper eben diese Anspannung einfach hält.

00:22:33: Und man geht ins Lösen und es darf sich verändern.

00:22:37: Es kommt ins Fließen und ein Segen, wenn man auch da dran kommt.

00:22:41: Oder ich sage das auch immer in der Praxis.

00:22:43: gerne so an, wenn dein Körper wirklich auch bereit ist, das loszulassen, weil der ist immer so ein Stückchen unserem wirklichen intellektuellen Kontext voraus.

00:22:54: Also der Körper ist einfach wirklich, der reagiert viel schneller als wir es verstehen in alle Richtungen, wie du auch gesagt hast.

00:23:03: Und ich finde das einfach... unglaublich schön.

00:23:07: Ich habe auch wirklich eine sehr gute Freundin, die ist Traumotherapeutin auch seit vielen Jahren, also die sagt auch immer, die ganze Psychotherapie sollte eigentlich neu gedacht werden, vielleicht sogar auch, dass der Körper wirklich auch anerkannt wird in allen Therapieformen mit dazuzukommen, weil da eben so ein Wahnsinnspotenzial liegt und wirklich auch im Sinne eines Auflösendes Traumers und nicht nur eines Umgangs mit dem Trauma, was kostbar ist, also in keinster Weise gewertet.

00:23:38: Das ist wunderbar, wenn wir traumatisiert sind oder es eine Traumatisierung gibt und wir sind in der Lage, damit so umzugehen, dass wir unseren Alltag gut bestreiten können und dass nicht all unsere Energie bindet oder all unsere Ressourcen, damit dann eigentlich gerade so das sage ich mal ganz normale Überleben vielleicht funktioniert im Sinne von ich mache mir was zu essen und ich ... kann einkaufen gehen oder ... ... sprech mal irgendwie mit Freunden ... ... oder sowas.

00:24:05: Das ist ja dann manchmal schon die große Herausforderung ... ... dass eben wieder auch ... ... mehr funktioniert, auch im Sinne von ... ... Ayoveda geht es ja auch immer ganz viel darum.

00:24:15: Es gefällt mir auch so gut.

00:24:16: Also dieses ... ... Weg zum glücklichen Leben ... ... ist ja nicht im Sinne von ... ... Gesundheit als Selbstzweck, ... ... sondern es geht eigentlich darum immer ... ... wirklich ein Leben zu führen, was ... Was unseren Werten entspricht, würde man vielleicht so modern im Coaching-Kontext sagen, auf was wirklich sinnstiftend ist.

00:24:34: Also, dass wir genügend Energie haben, das wirklich zu tun und zu verwirklichen, was uns so am Herzen liegt.

00:24:42: Und ich glaube, das ist noch eine ganz andere Geschichte als ich kann meinen Alltag managen, sondern da sprechen wir wirklich eher über eine Traumaheilung sozusagen oder ein wirkliches Loslassen können.

00:24:57: Das ist auch wirklich das Potenzial, wo ich die Yoga-Praxis mit als ein riesiges, wichtiges Puzzlestück sehe und eben den Körper mit da hineinzunehmen.

00:25:10: Genau, wie siehst du das auch?

00:25:11: Danke,

00:25:11: Kathi.

00:25:12: Ja, schön.

00:25:14: Ja, auch wie du sagst, unser Körper hat eine unglaubliche Intelligenz und ... Was ich so genieße, ist so eine neue Vokabel, das kommt jetzt auch ja aus dem englischsprachigen Raum, wo gar nicht mehr unterschieden wird, in body and mind, sondern das wird tatsächlich auch zusammengeschrieben, body mind.

00:25:31: Also einfach anzuerkennen, wir haben das Ganze auseinander getrennt, aber an sich ist es verwoben und nicht, weil das eine das andere bedingt, sondern weil es immer wechselwirkt in beide Richtungen.

00:25:45: und unser Körper als ein Ort in seiner eigenen Intelligenz, der eben ja auch als Ressource unglaublich die Dinge halten kann.

00:25:54: Und was ich so spannend finde, ich habe ja ganz am Anfang auch über die Dissoziation gesprochen.

00:25:59: Das ist ja schlussendlich auch wieder der in dem Moment bestmögliche Weg, die höchste Intelligenzform zu sagen.

00:26:09: In diesem Moment ist mein Körper und das Spüren meines Körpers.

00:26:15: nicht mehr aushaltbar.

00:26:17: Das ist nicht mehr sozusagen mit meinen Ressourcen und mit dem Überleben vereinbar, deshalb braucht es jetzt irgendeinen neuen Weg, sprich, ich bin zwar noch, mein Körper lebt zwar noch, aber ich bin nicht mehr in dieser Lebendigkeit in diesem Spüren können mit meinem eigenen Körper verbunden, denn mein Körper ist in diesem Moment kein sicherer Ort mehr.

00:26:39: Und dann findet ja eigentlich, das klingt jetzt sehr intellectualisiert, das Denken wir in dem Moment ja nicht.

00:26:44: Das macht der Körper aus sich heraus, ja?

00:26:47: Aber wenn der eigene Körper nicht mehr als sichere Ort wahrgenommen wird, weil es so überwältigend ist, der Schmerz, das Leid, die Not, dann sozusagen ist es möglich, nicht mehr zu spüren.

00:27:00: Und darüber die bestmögliche Überlebenschance.

00:27:03: Ich spreche jetzt wieder sehr biologisch mitzunehmen.

00:27:06: Deshalb dieses Thema Sicherheit ist ja im traumasensiblen, traumainformierten Yoga-Kontext riesengroß.

00:27:13: Safe Space sowieso.

00:27:15: Aber was mich interessiert, wie du auch dazu stehst zu sagen, einen sicheren Rahmen zu bilden, im Sinne von Kursraum, andere Kursmitglieder, wie richtig das Ganze aus, welche Sprache nutze ich, wie bin ich auch als Kursleiterin unterwegs?

00:27:32: Ja, da können wir gerne auch noch darüber sprechen, aber was mich jetzt interessiert ist, wie kann denn Yoga dabei helfen, dass ich meinen Körper wieder als sicheren Raum wahrnehme?

00:27:44: dass ich wieder meinen Körper bewohne, ihn wieder ferk, also dass ich wieder ferkörpert bin.

00:27:51: Ja.

00:27:52: Also auch ganz praktisch gesehen.

00:27:54: Wie kann uns denn die Yoga-Praxis bei solchen Dingen helfen?

00:27:58: Also erst mal braucht es diese Sicherheit, genau wie du gesagt hast, da würde ich mal starten.

00:28:02: Also es ist wirklich so, das finde ich vielleicht auch in großer Schönheit, somit die erst mal wichtigste Aufgabe vielleicht auch von uns Yoga-Lehrenden, dass wir das schaffen.

00:28:14: Ein größtmöglich sicheres Gefühl oder sicheren Raum, also klar, jeder erlebt es dann wieder selber, aber es gibt so ein paar Dinge, die ganz essentiell sind, auch um wirklich einen sicheren Raum einzubieten.

00:28:28: Also ich wäre da wirklich auch ganz toll erstmal in so einer satwischen Qualität, was so das Mindset angeht.

00:28:33: Kenne ich auch aus dem Ayurveda-Kontext, wo ich auch lange unterwegs war.

00:28:40: Da viele Ayurveda-Beratungen.

00:28:42: Das fand ich immer ganz spannend.

00:28:43: Und ich finde es beim Yoga-Unterrichten ist das Gleiche.

00:28:46: Wenn wir das schaffen, dass wir für die Leute, die zu uns kommen, in die Yoga-Praxis oder ins eins zu eins... dass wenn wir schaffen, dass wir in sattwischen Raum aufmachen, dann ist das im Grunde eigentlich schon eine Heilungsqualität, ohne dass wir irgendwas machen.

00:29:05: Also wenn wir einfach einen Raum aufmachen können, und sattwisch ist ja wirklich so, dieser Yoga ist ja das Werkzeug in der sattwischen Qualität hinein, das meint.

00:29:14: Was bedeutet das?

00:29:15: Also wir alle, die nicht so doll da drin unterwegs sind, ist wirklich eine ganz friedvolle Qualität, so die feinste Form.

00:29:22: unseres Main, der eben wirklich wenig wertet.

00:29:25: Und es ist auch eine Heiterkeit da drin, in Sinne eines wirklich annehmens und auch sehr reflektiert seins in so einer, ja, spiritueller gesagt, wirklich sowas ganz lichtvolles, klares, sauberes auch, ohne zu werten, ohne so tausend Urteile dazu schleifen.

00:29:41: Und das ist, glaube ich, auch schon das, wenn ein Mensch sozusagen zu uns zum Yoga kommt oder zu dir zum Yoga kommt.

00:29:48: Das völlig klar ist, der Mensch ist wunderbar in dem Moment.

00:29:52: in deinem Auftrag als Yoga-Lehrerin, als Yoga-Lehrer.

00:29:55: So wie dieser Mensch ist, so nimmst du ihn und nur so, also wenn ich finde, dass du die Basis, wenn du einen Menschen so akzeptierst, wie er ist, dann kannst du mit demjenigen auch arbeiten, weil dann fühlt sich jemand verstanden und gesehen und gewertschätzt und alleine das macht schon ganz, ganz viel.

00:30:17: Und das sollte auch, finde ich, immer so das alleroberste Agreement sein für eine Jogastunde oder auch gerade auch diese Gruppen, wenn mehrere Leute im Raum sind, dass ganz klar ist, es ist jeder hier einfach willkommen, genauso wie er ist.

00:30:33: Also das alleine ist schon so ein wahnsinniges Werkzeug vielleicht auch wirklich das zu schaffen.

00:30:40: dass man sich wohlfühlt oder auch sich öffnen kann.

00:30:43: Es ist natürlich schön, wenn die Gruppe da auch ein bisschen andocknet, dass das nicht so, ich weiß nicht, das kennt glaube ich auch jeder, man kann in Yoga rauf kommen, da sitzen schon ein paar Leute und es ist irgendwie so ein ganz entspanntes Gespräch, man kommt da neu rein oder die Leute sitzen, haben schon mal die Augen zu, sind so ein bisschen im Spüren nach innen.

00:31:00: Ganz unterschiedlich, aber dass man so das auch firmlich, man spürt es in der Luft, wie ist hier die Atmosphäre oder ist es irgendwie so ganz streng und man hat das Gefühl so, oh Gott, Hilfe, passt meine Hose oder sowas, mit die Richtung mal so ein bisschen plump gesagt.

00:31:14: Genau, also das wirklich, dass wir das schaffen, diese sattliche Atmosphäre da einfach auch zu kreieren, mit auch einem sauberen Raum, der warm ist genug.

00:31:25: der auch oder belüftet, der auch die Möglichkeit bietet, dass auch da für alles gesorgt ist, das möglichst man sich fallen lassen kann.

00:31:34: Also das ist so, wir Yoga-Lerenden sind da in der großen Verantwortung, das erstmal auch herzustellen, was wir ja auch gerne immer so auch um so Ausbildungskontext oder so gern nennen, so den Raum zu halten.

00:31:45: Das ist auch so ein Teil davon, diese Energie bereitzustellen.

00:31:50: Wenn das nicht gelingt sozusagen, dann wird auch im Kleinen wie im Großen, dass nicht so möglich sein, ein Öffnen oder eine Heilarbeit einfach wirklich auch da stattfinden zu lassen, wirklich in die Tiefe zu kommen.

00:32:05: Ja, danke dir.

00:32:06: So sehe

00:32:06: ich das.

00:32:07: Wenn das als Grundvoraussetzung der Rahmen, das Umfeld und dann natürlich auch die eigene Präsenz, wenn es eine Kleingruppe ist, natürlich auch ein Stück weit die weiteren Teilnehmenden in der Gruppe, das macht ja auch immer einen gemeinsamen Raum.

00:32:25: Wenn ich da auch mal wegen unbewusst nicht das Gefühl habe, wow, hier, hier darf ich gerade ankommen, dann wird der Körper auch wieder aus seiner Intelligenz heraus, da überhaupt nichts preisgeben.

00:32:39: Ja.

00:32:40: Warum sollte er?

00:32:41: Die jetzige Variante, in der ich mich nicht spüre, ist ja zu jedem Zeitpunkt die für mich sicherste Variante.

00:32:47: Also ich muss immer Mehr Sicherheit anbieten, als der Zustand, in dem sich mein Körper jetzt in diesem Moment befindet.

00:32:57: Und dann können sich Dinge zeigen, dann kann Heilung stattfinden.

00:33:01: Und das ist natürlich auch bei jedem sehr unterschiedlich oder wird unterschiedlich wahrgenommen.

00:33:06: Und ich habe gerade das Beispiel genannt mit jemand läuft vorbei und hat meinetwegen das gleiche Parfum oder das gleiche Aftershave oder irgendwie so was, was überhaupt nicht kognitiv verarbeitet wird und gleich ist der Träger gesetzt.

00:33:20: Auch wir in unserer Rolle als in dem Moment Kursleitende, wir sind natürlich immer auch Projektionsfläche.

00:33:29: Das heißt, es kann auch gut sein.

00:33:30: Ich erleb das ja im Eins zu Eins häufig.

00:33:33: Das passt mein Therapeut, passt meine Therapeuten zu mir.

00:33:38: Das ist mit die wichtigste Frage.

00:33:41: Wenn da irgendwelche Themen, weil ich die Person an jemanden erinnere, das kann positiv, das kann aber auch unangenehm belegt sein.

00:33:50: Und wenn das unangenehm belegt ist, dann werde ich mit dieser Person nur bis zu einem gewissen Punkt in die Tiefe gehen können.

00:33:57: Nicht weil das böse Absicht irgendwie innewohnt oder weil die Person das nicht möchte, sondern einfach Weil es da nonkognitiv bestimmte Projektionen gibt, die nicht in dieses, ja, hier kann ich mich fallen lassen, hier möchte ich mich öffnen, hier kann ich das Vertrauen schöpfen für diese Art von Arbeit.

00:34:19: Und da habe ich auch gelernt, das ist jetzt noch nicht ständig vorgekommen, aber ich rechne fest damit.

00:34:24: Oder wenn es eben nicht ganz passt, ist das immer ein Stück weit auch mein, meine Intention, ich nenn es jetzt mal Gebet zu... Beginn einer Begegnung oder kurz davor nehme ich mir immer einen Moment, wo ich mich innerlich nochmal so sammel und ausrichte und ein Stück weit auch sage möge die Person oder möge die Personen mögen die die denen ich helfen kann mögen die zu mir finden und denen die den ich nicht helfen kann mögen die wo

00:34:51: anders

00:34:53: die Menschen finden die helfen können also auch dazu wissen das muss immer gar nicht unbedingt persönlich sein aber manchmal gibt es einfach einen match Und da habe ich das schon erlebt, auch in kleinen Gruppen.

00:35:04: Ich kann dir jetzt im Nachhinein nicht sagen, warum, aber wo sich wahnsinnige Dinge gezeigt haben.

00:35:10: Also heilsame Prozesse.

00:35:14: Und dann vermeintlich ähnliche Setting und die Gruppe völlig anders.

00:35:18: Also da gibt es auch... Ebenen, die eben gar nicht in dem Sinne bewusst beeinflussbar sind, sondern manchmal hast du es einfach und dann die Gnade, dass es sozusagen sich dann öffnen darf und manchmal nicht.

00:35:33: Und das ist auch in Ordnung.

00:35:34: Gleichzeitig ist natürlich, gibt es schon ganz klare Prinzipien, wie ich so was aufbaue.

00:35:41: Du hast ja eben schon einige genannt.

00:35:43: und für mich zum Beispiel in der Anleitung, wenn es darum geht, auch meinen eigenen Körper wieder als sicheren Ort wahrzunehmen, auch wirklich mit Techniken zu nutzen, die zum Beispiel wie einen Körperscannen, wie einen Yoga-Niedra oder auch eine Endentspannung gerne am Anfang auch mit geöffneten Augen, wenn das Augen schließen noch... In dem Sinne nicht als sicher wahrgenommen wird, damit zu arbeiten.

00:36:08: Okay, ich mag vielleicht nicht in meinen Beckenboden hinein spüren, kann ich auch gar nicht.

00:36:13: Aber vielleicht gelingt es mir, der Reihe nach mal in die Finger rein zu spüren.

00:36:17: Und sozusagen mit Körperpartien zu arbeiten, in den Assanas natürlich und in den Atemübungen genauso, aber ein Stück weit langsam den Körper als Ganzes wieder zu sensibilisieren und zu bewohnen.

00:36:31: und jetzt nicht gleich von Anfang an da irgendwie rein zu pushen, sondern das sanfte ist für mich ein Kernaspekt auch der Sicherheit.

00:36:40: Ja, absolut.

00:36:41: Es gibt so viele Übungen, die ich machen kann und viele Leute, da bin ich gerade nochmal wieder abgebogen, aber das möchte ich gerne sagen, etwas, was ich auch recht scharf kritisiere.

00:36:53: Ich habe den Eindruck, im Moment gibt es viele Techniken, die haben Wumms.

00:36:59: Ja, ich denke zum Beispiel auch an ein sehr intensiv durchgeführtes Breathwork,

00:37:04: das ja auch eine unglaubliche

00:37:06: Beliebtheit momentan erfährt.

00:37:07: Ist ja jetzt eine Yoga-Technik, aber auch Yoga kann sehr, sehr kraftvoll sein.

00:37:13: Es geht gar nicht darum in meinem Verständnis, mit irgendeinem fossierten Ansatz jetzt den Körper zu öffnen.

00:37:23: Ja, es werden sich Dinge zeigen.

00:37:25: Weil es, wenn wir mit dem Körper arbeiten, geht es gar nicht anders.

00:37:29: Aber es kann gut sein, dann ist das irgendwie katatisch, die Person ist aufs Neue überfordert und dann ist es das Paradebeispiel für Retraumatisierung.

00:37:38: Vielleicht

00:37:38: nicht durch einen ähnlichen äußeren Umstand, aber auch durch eine intensiv erlebte Körpertechnik, in der ich mich wieder vollkommen überfordert führe.

00:37:48: Der Wert liegt nicht darin, ob sich was zeigt, sondern der Wert liegt darin, was mache ich, wenn sich was zeigt.

00:37:56: Und deshalb bin ich eine leidenschaftliche Verfechterin des sanften Ansatzes.

00:38:04: Weil sanft heißt überhaupt nicht, dass es nicht intensiv ist, aber sanft heißt, dass ich nicht über das Sicherheitsbedürfnis drüber Bulldozer, sondern mit dem ganzen Wachse Wow!

00:38:17: Und dann zeigen sich manchmal sehr, sehr tiefe Dinge, aber eben nur in dem Rahmen, in dem dann das ganze Wesen auch bereit ist, damit Umgang zu finden.

00:38:28: Und dann habe ich keine Retraumatisierung, sondern eigentlich einen tiefen Heilungsprozess mit unterstützt.

00:38:35: Ja.

00:38:36: Also,

00:38:36: wie du das erlebst, diese ... Wir fordern hier die Techniken, jetzt muss ich was zeigen.

00:38:40: Wir arbeiten jetzt hier mit dem Klaufer.

00:38:43: Genau.

00:38:44: Ich finde das so schön, dass du das sagst, ihr seht es nicht oder du siehst es nicht.

00:38:48: Ich nicke hier auch die ganze Zeit, wie verrückt war ich.

00:38:51: Ich freue mich so, dass du das sagst.

00:38:53: Also auch da ticken wir fachlich auf der gleichen Wellenlänge, weil ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dieses Sanfte ist das eigentlich starke und kraftvolle.

00:39:03: Ja.

00:39:04: Aber auch das ist so zeitgemäß, also zu sagen, ja, also man braucht da irgendwie einmal so super High End Breath Work und das muss ein Riesenknall.

00:39:12: geben oder sonst was für eine High-End-Erfahrung so fast so sensationell muss es irgendwie sein und dann berichtet man das irgendwie danach.

00:39:20: Ich finde das voll verrückt, weil das was wir auch besprechen, also das ist wirklich kein Ding was mit einem großen Knall passiert, auch wenn das irgendwie eben wirklich zeitgemäß ist, dass das schnell geht und man sich nicht so doll damit beschäftigen muss, weil so die Abkürzung den Shortcut zu nehmen.

00:39:39: Yoga und Egal, auch in welchen Kontext, aber eben auch ganz, ganz doll im Yoga- und Traumakontext, ist immer dieses Sanfte im Prozess sein und immer wieder auch reinzuspüren, hinzuspüren, was mag sich zeigen, was mag sozusagen an die Oberfläche kommen, um nochmal entweder einfach losgelassen zu werden oder manchmal auch vielleicht nochmal in einer Form gewürdigt oder... angeschaut zu werden.

00:40:07: und ich finde so für mich ist es dieser sanfte Weg gar nicht im Sinne einer sanften Praxis aber eines immer wieder Begegnens im Rahmen von dem was sicher ist was sich wirklich auch gut anfühlt was machbar ist.

00:40:23: und ich finde das so stark immer wieder da rein zu gehen.

00:40:27: also das ist Wie immer, glaube ich, und auch im Yoga, meinen wir beide, es sind ewig jetzt dabei.

00:40:34: Und wir wissen, was das bedeutet, auch so viele Jahre wirklich da auch anzudocken an die Praxis.

00:40:40: Und wie immer noch mal es tiefer geht, also ich freue mich auf die nächsten zwanzig Jahre, wenn das mir geschenkt ist, die erleben zu dürfen.

00:40:47: Das ist irre, das hört nie auf, das geht immer tiefer.

00:40:51: Und dieses sanfte, das finde ich, also ich persönlich finde das mittlerweile auch gerade in... In dem, was so oft auch populär vielleicht ist, wirklich diesen ganz, ganz ehrlichen Weg auch in der Selbstbegegnung.

00:41:06: Und da kommen eben auch Dinge hoch, die vielleicht irgendwie auch anspruchsvoll sind oder irgendwie nicht unbedingt die schönen Sachen, die man immer über sich selber gerne, man ist dann nicht irgendwie in eine andere Dimension katapultiert und hat da irgendwie eine... Erfahrung, sondern es ist so eine ganz ehrliche Arbeit und die auch Mut erfordert, einen hinschauen wollen, einen sich damit auseinandersetzen wollen.

00:41:31: Und für mich aber gleichzeitig auch der einzige Weg, wenn man sich mit sich selber beschäftigen möchte und so ein paar Sachen auch loslassen mag oder ja wirklich im Sinne auch immer eines.

00:41:42: Abschälen von dem, was so von außen da ist oder auch an Erfahrungen, die vielleicht ein eher bremsen, auch da wieder so dieses eigene Leben in dieser sinnstiftenden Qualität zu gehen.

00:41:53: Und das ist immer das sanfte.

00:41:54: und ich finde auch bei allen, egal Asana, auch Pranayama, Meditation, also auch da es braucht gar nichts Spektakuläres.

00:42:04: Man kann das machen, wenn das Spaß macht und das ist wunderbar, aber auch in so Phasen, wenn wir über Trauma sprechen oder wirklich auch über Heilarbeit oder anspruchsvolle Lebensphasen, ist es einfach oft das sanfte, oft auch das total reduzierte.

00:42:20: Man braucht nicht noch eine Asana, noch eine Asana, sondern man geht in eine Haltung rein und spürt dort und spürt, wie fühlt sich das jetzt an?

00:42:28: Ich hebe meinen Brustbein, was macht das?

00:42:31: Also, dass man wirklich Zeit hat zum Spüren und nicht immer drüber float.

00:42:35: Ich liebe auch das Fließen zu üben und zu verbinden, aber in den einzelnen Haltungen zu sein, zu spüren.

00:42:41: Die Haltung selber schon fast als Pranayama zu benutzen, indem man so über den Atem geht und übers Spüren und damit ja immer so doll übers Nervensystem.

00:42:50: Also, ich glaube, man hört meine Begeisterung auch in den Warn.

00:42:53: Also, es ist für mich genau dieser sanfte Weg und auch diese Geduld vielleicht zu haben.

00:43:00: da reinzugehen und eben nicht prachial drüber zu bügeln, was vielleicht für manche auch so ein Pendant zum Alltag ist.

00:43:08: Also da wirklich rauszutreten und es ist eine ganz liebevolle Begegnung mit sich selbst sein zu lassen.

00:43:13: Und vielleicht manchmal auch in aller schönsten Sinne eine sehr unspektakuläre Begegnung mit sich selbst zu spüren in die große Fußsee oder sowas.

00:43:23: Also das ist für mich die wirkliche... heilsame yoga praxis egal in welchen kontext.

00:43:30: und wie gesagt wenn wir über trauma sprechen in höchsten maße oder auch ich glaube wir haben auch so irre zahlen an depressionen und angstörungen wenn man die so benennen möchte und klassifizieren und das ist verrückt weil ja auch so in diesen ja würde ich vielleicht auch so fast so manchmal so zwischenformen zwischen.

00:43:53: Es ist nicht unbedingt ein tiefes Trauma, aber es ist eine extreme Herausforderung und natürlich basiert es auf bestimmten Erfahrungen oder auch Überforderungen, also ganz, ganz unterschiedlicher auch.

00:44:06: und haben jetzt auch gar nicht berührt nochmal auch dieses transgenerative mit anschaut.

00:44:11: Also das macht für mich auch hochgradig Sinn, weil das ist, erleben wir jetzt ja auch wieder, wie schnell auch Kriege aufblocken können, auch ganz nah an uns und was es macht.

00:44:22: Wir sind jetzt die Generation auch in Deutschland, die vielleicht am längsten ohne Krieg lebt.

00:44:29: Aber natürlich haben wir ein Background unserer, je nachdem Eltern, Großeltern.

00:44:36: Und das ist ja nicht einfach so alles weg.

00:44:37: Und ich denke auch, das ist auch so ein Geschenk, dass das heute so ein Bewusstsein hat, dass man einfach arbeitet mit posttraumatischen Belastungsstörungen und so weiter, weil genau ich denke auch viele unserer Eltern wurden von... schwer traumatisierten Eltern wiederum erzogen.

00:44:53: Also das sind ja riesen Themen.

00:44:55: oder auch wenn im Ayurveda bricht man das ja manchmal gerne auf so eine ganz ganz bildhafte Ebene runter auch, damit so leicht greifbar wird.

00:45:04: Also da spricht man ja manchmal sozusagen vom psychischen Immunsystem.

00:45:07: Also auch wenn wir von unserem Energielevel her in so ein Level kommen, dass wir sehr in Erschöpfung sind oder so, das kennen ja auch wirklich viele.

00:45:18: dass dann eben Ängste hoch ploppen, vielleicht die lange irgendwie gut von unserem System, sag ich mal, unterm Deckel gehalten werden konnten oder uns nicht alltag irgendwie beeinträchtigt oder überhaupt gar nicht präsent waren vielleicht und dass so was dann sich zeigt und auch da, also ich finde auch in diesem Kontext ist es immer wieder, weil es auch lange vor mir die sanfte Praxis und dieses liebevolle Begegnen und dieses Hinspüren und tatsächlich, also weil ich... Ich sage das auch wirklich immer auch so an, wenn der Körper bereit dazu ist, das loszulassen, weil ich glaube, die Zeit sollten wir ihm oder ihr einfach auch lassen, weil das ist so ein Wahnsinnsintelligenz da in unserem Körper drin.

00:46:04: Die glaube ich auch, also weiß ich nicht, wie du siehst, du bist da noch mehr drin.

00:46:08: Also wirklich auch die Forschungslage, die zeigt schon irre viel, aber ich denke immer so, wow, da ist bestimmt noch viel mehr.

00:46:15: Wenn man das beforschen kann, das über das Spüren des Körpers wieder in so eine Heilung und zu sich selber zu kommen, sowohl bei Ängsten, Depressionen oder auch Traumakontext, das führt kein Weg dran vorbei.

00:46:32: Und Yoga ist eben so schön, ja, dafür auch.

00:46:36: Ich habe mich gerade persönlich sehr angesprochen gefühlt, als du erzählt hast, das braucht vielleicht auch in erster Linie Geduld, auch dieses gar nicht so spektakuläre Yoga zu schätzen und überhaupt mich darauf einlassen zu können.

00:46:50: Also persönlich angesprochen habe ich mich darin, weil ich glaube, ich selber meinen Weg mit Yoga ganz ähnlich erlebt habe, wie ich es jetzt auch bei vielen anderen Menschen beobachte, ja, in einer Welt, in einer Gesellschaft, in der wir mit einem Ausmaß an Reizen konfrontiert sind, wie es noch nie da gewesen war.

00:47:13: Und ich meine jetzt nicht irgendwelche wilden fünf, sechs Stunden plus Bildschirmzeit am Tag bei Social Media.

00:47:19: Das gibt es auch und zwar sehr, sehr viel, aber ich meine insgesamt jetzt zu diesem Zeitpunkt als Mensch mit einer Jahrtausenden alten Biologie und Physiologie rumzulaufen, wo die Anforderungen des modernen Lebens sich aber unfassbar beschleunigt haben und wir noch weit davon entfernt sind, dass das sich das mal langsam in den Plateau, sondern es ist ja immer noch exponentiell.

00:47:45: Ich glaube, das, was unser Körper auch wieder aus dieser tiefen Intelligenz herausmacht, ist natürlich, je mehr Reize reinkommen, die Fähigkeiten mit den Reizen umzugehen, hat sich kein Stück verändert.

00:47:55: Die Biologie ist tausende von Jahren alt.

00:47:59: sondern was machen wir?

00:48:00: Wir müssen in irgendeiner Weise abstumpfen.

00:48:03: Es braucht eine gewisse Art der Taubheit, um jetzt mit diesen ständig einpressenden Reizen irgendwie klarzukommen.

00:48:10: Viele Menschen kommen trotzdem nicht damit klar und wir haben viele psychoemotionale Themen, aber grundsätzlich in dem Moment, wo ich abstumpfe, wo ich tauber werde, ist natürlich auch die Fähigkeit, mich selber zu spüren, mitbetroffen.

00:48:25: Ich kann ja nicht selektiv sagen, all den ganzen Mister draußen, den lasse ich nicht mehr rein.

00:48:31: Ich lasse nur noch die tollen Dinge rein und spüre mich mega gut.

00:48:34: Das ist leider in dem Sinne nicht möglich, sondern... Schade

00:48:38: eigentlich, ein Sophie.

00:48:39: Ja, aber ich probiere es trotzdem immer wieder, aber ich habe noch nicht ganz raus gelernt.

00:48:44: Aber ich kann so verstehen, weil es ja auch mein Weg ein Stück weit ist, dass ich dann auch das Yoga und die Yoga Praxis nutze.

00:48:52: um mich zu spüren, muss ich halt einfach dann den Reiz erhöhen, dass er wieder durchkommt.

00:48:59: Und dann haben wir eine Reihe von sehr, sehr beliebten modernen Power, Energie, sonst was High-End-Aktivitäts-Joghaformen mit Atmung wie Hulle, mit Bewegung, bis alles durchgeschwitzt ist und der Körper zittert und so.

00:49:16: Ja, dann spüre ich mich auch.

00:49:17: Und es funktioniert ja auch danach.

00:49:19: Mache ich eine Superententspannung, weil dann bin ich platt.

00:49:23: Aber die Geduld, die du angesprochen hast, das fand ich jetzt so wertvoll, weil ich merke, wenn ich etwas verstehe und einordnen kann, ist es für mich immer noch super schwer.

00:49:34: Aber ich habe eine Neugierde, mich mit meiner Ungeduld auseinanderzusetzen.

00:49:40: Ich entwickle ein Wunsch, das nicht spüren.

00:49:45: wahrzunehmen und sensibler zu werden.

00:49:47: Und insofern ist das, was wir gerade besprechen, für mich so wertvoll, das ist so gold, weil es meine ganze Haltung gegenüber, meine auch Erwartungshaltung gegenüber der Yoga Praxis verändern kann.

00:49:58: Weil wenn mein Ziel nicht mehr ist, ich muss mich jetzt spüren und der einzige Weg ist, wenn ich noch eine Schippe oben draufsetze, sondern wenn ich merke, oh wow, vielleicht nicht beim ersten Mal, aber vielleicht wird dann meine Yoga Praxis zu einem sicheren Moment in meinem Alltag, in dem ich eben die Reizlast radikal runterfahre und mal diese ganzen feineren Töne, die ich ja auch alle habe, innere Stimme, Emotionen, denen ich mich vielleicht auch die ganze Zeit nicht zugewendet habe, ein Körpergefühl, das ich dem wieder Raum geben kann.

00:50:35: Das kann man und meine Erfahrung nach Muss man aber auch lernen, ja?

00:50:40: Weil wir in so einer Reizüberladung stecken, das ist wenigen Menschen mal eben so, sondern das ist eine wirkliche Übungssache.

00:50:48: Nicht, weil es hart ist, aber weil man, oder weil ich aus meiner Erfahrung, das als etwas Konterintuitives erlebe.

00:50:55: Weil ich will ja eigentlich im Intensitätslevel mit schwimmen.

00:50:59: Und jetzt kommt Joghain sagt so, nee, nee, nee, nee.

00:51:03: Du fährst jetzt mal runter.

00:51:05: Und das ist so klasse.

00:51:06: Du hast jetzt ein paar Mal das Ayurveda angesprochen.

00:51:09: Und ich weiß noch die ersten Male, dass ich so ein paar Basic Ayurveda-Vorträge gehört habe zu den verschiedenen Doschatypen und so.

00:51:16: Und ich saß da.

00:51:18: Ich habe mich so ertappt gefühlt beim Watadoscha, weil ich natürlich nicht nur Frau Watadoscha körperlich bin, da könnte man alleine schon an mir.

00:51:28: Watterdoscher erklären, sondern weil alle die Dinge, die jetzt empfohlen werden, die man nicht tun sollte, weil es Watter erhöht, das war

00:51:36: mein Leben.

00:51:37: Von der Ernährung über die Art und Weise, wie ich keine Struktur hatte, wie ich Mahlzeiten ausgelassen habe, wie ich mich für Sachen begeistert habe, und dann ist es wieder weg gewesen und so.

00:51:48: Ich saß dann da, meine Güte, das kann ja nicht sein, das bin ja ich.

00:51:54: Ich bin Watter und mache alles, was sozusagen die im Balance weiter fördert.

00:51:59: Und

00:52:00: den Eindruck ist es jetzt an dem Beispiel des sanften Yogas ganz ähnlich.

00:52:05: Wenn wir uns nicht damit auseinandersetzen, dann wollen wir alle alle immer eine Schippe draufsetzen, bis die Erschöpfung dann irgendwann zündet.

00:52:13: Und das hast du ja eben auch schon beschrieben.

00:52:15: Sehen wir ja auch.

00:52:17: In unserer Gesellschaft, ich glaube, wir kennen alle.

00:52:19: Menschen in unserem direkten Umfeld, die entweder einen Burnout haben, eins hatten, wieder eins haben oder kurz davorstehen, vielleicht sogar wir selber, wenn wir ganz offen und ehrlich mit uns sind.

00:52:31: Also, irgendwann sagt der Körper dann ja schon, du, jetzt, jetzt geht's wirklich nicht mehr.

00:52:37: Aber bis dahin ist ja eigentlich, wenn wir es nicht reflektieren, dieses eskalierende Reizeinflüsse eher das Normale Verhaltensmuster.

00:52:47: Und jetzt kommt Yoga und sagt, nee, nee, meine Liebe, Anzophie.

00:52:50: Gerade jetzt Tempo raus.

00:52:54: Gerade jetzt die langweiligen Asanas und in die große Zähne rein spüren und das Ganze sanft angehen.

00:53:00: Nicht hier noch mehr und das muss ich richtig spüren und der Muskel muss richtig brennen.

00:53:05: Nein, nein, nein, nein.

00:53:06: Und das finde ich so wertvoll.

00:53:08: Aber ich brauche, ich merke, ich brauche die Erklärung, weil es ist ja nicht angenehm.

00:53:13: Es ist ja super.

00:53:14: Per Konfrontativ, mich jetzt in diese unglaublich langweilige, ich überspitze das jetzt.

00:53:23: Aber eigentlich so, was soll ich hier?

00:53:26: Ich habe noch Termine, ich kann was anderes mit meiner Zeit anfangen.

00:53:29: Jetzt habe ich noch nicht mehr ordentlich geschwitzt.

00:53:31: Ja, toll.

00:53:31: Und was hat mir das jetzt gebracht?

00:53:33: Also dem Ganzen im Vertrauensvorschuss zu geben, weil ich mich informiert habe und weiß, oh wow, es braucht genau das.

00:53:42: Es braucht das fürs Gleichgewicht und es braucht auch das, um mich wieder besser zu spüren.

00:53:47: Das hilft mir ungemein.

00:53:50: Und wenn ich jetzt noch einen wissenschaftlichen Aspekt mit hinzufügen kann, der Nummer eins Faktor, der über unsere Fähigkeit zur Selbstregulation bestimmt, also sprich, wenn etwas innerlich herausfordernd wahrgenommen wird.

00:54:05: Wie schaffe ich es mit meinen Ressourcen sozusagen wieder in mein Gleichgewicht zu finden?

00:54:09: Das bedeutet ja Selbstregulation.

00:54:11: Wie kann ich mich selber innerlich wieder austarieren?

00:54:14: Der absolute Nummer eins Faktor ist die Fähigkeit, mich selbst zu spüren.

00:54:20: Ja.

00:54:21: Und das wiederum.

00:54:23: ist, finde ich, auch schon ein bisschen abstrakt.

00:54:25: Was heißt es denn, mich selbst zu spüren?

00:54:27: Und jetzt kommt die Yoga-Praxis mit ganz, ganz vielen verschiedenen Möglichkeiten, eben genau das zu tun.

00:54:33: Aber vom Grundsatz her, ja, bedeutet es erstmal Tempo raus, lange Weile, ungenullt konfrontieren und die große Zehe spüren und die Kontaktpunkte zum Boden wahrnehmen.

00:54:47: Und dem Weg der Atemluft hinein und wieder heraus aus meinem Körper zu folgen, eine sanfte Bauchatmung zu aktivieren oder was auch immer.

00:54:56: Also es ist überhaupt nicht so spektakulär.

00:54:59: und trotzdem sagt uns die Wissenschaft, das ist der mit Abstand wichtigste Punkt, der mir dabei helfen kann, auch durch schwierige Lebenssituationen sozusagen gestärkt durchzugehen.

00:55:11: Mich selber zu spüren.

00:55:13: Und das beobachten zu können, nicht zu werten, sondern mit dem, was ich spüre, sein zu können.

00:55:18: Das muss man üben.

00:55:19: Und das kann man üben.

00:55:21: Das bestätigt

00:55:22: mich immer wieder.

00:55:23: Ja, schön.

00:55:24: Danke nochmal auch wirklich für diese wunderschönen Worte.

00:55:27: So schön.

00:55:28: Und auch, ich finde... Da wirst du mir mit Sicherheit auch sehr zustimmen, mit Zunehmend der Yoga-Praxis.

00:55:34: Es wird immer spannender, den Atem anzuschauen, zu spüren.

00:55:38: Es wird immer spannender, noch feiner, noch feiner, noch feiner in den Körper reinzugehen und...

00:55:43: Ja, ein Glück, Kati.

00:55:44: Das wär ja auch ein Quiller, wenn wir jetzt hier seit Jahren, Jahren, Jahren... Nein, es wird wirklich spannender.

00:55:51: Es lohnt sich.

00:55:54: Bleibt

00:55:54: dran, das sag ich auch mir selber.

00:55:56: Genau, genau.

00:55:58: Ja, ist schön.

00:55:59: Ja, wow.

00:55:59: Und ich finde das auch schön.

00:56:00: Da ist Yoga wie das Leben, finde ich.

00:56:03: Diesen Weg einfach auch nicht zu verlieren, weil ich finde immer so, wenn es ein supergut geht und man geht eine Stunde auf die Yogamatte oder geht in den Kurs rein oder so.

00:56:12: Das ist natürlich toll.

00:56:13: Also das ist dann großartig.

00:56:15: Aber wenn es irgendwie mir gerade nicht so gut geht oder ist auch so mitten aus dem Leben, wenn ich mich gerade total über meine... Arbeitskollegen geärgert habe oder in der Familie irgendwie Trouble ist oder so.

00:56:28: Und ich gehe dann in die Yogastunde und konfrontiere mich mit vielleicht meiner Wut, vielleicht meiner Traurigkeit, mit der Verärgerung.

00:56:35: Das ist dann den Sinne nicht so anführungsstrichen schön, aber das ist einfach genauso Teil des Weges und eigentlich, leider gesagt auch... der wichtigere Teil.

00:56:46: Ja, genau.

00:56:47: Darauf kommt das an.

00:56:49: Das andere ist einfach die Sahnehaube.

00:56:52: Die nehmen wir mit, weil es schön

00:56:54: ist.

00:56:54: Das andere ist wirklich Entfaltung, Entwicklung.

00:56:58: Das ist Arbeit.

00:56:59: Das ist nicht immer angenehm.

00:57:00: Aber das ist Wachstum.

00:57:05: So können wir wachsen.

00:57:08: Sophie, wie schön.

00:57:09: Ich könnte noch sehr lange weitersprechen mit dir, wie immer.

00:57:12: Ja,

00:57:13: darf ich dir noch eine Abschlussfrage stellen, Katze?

00:57:15: Ja,

00:57:16: sehr gerne.

00:57:17: Wir haben ja jetzt ein bisschen auch über das Thema Überleben versus Lebendigsein, also wo ist auch da der Unterschied, gerade so ein bisschen durch den Alltag zu kommen, versus mit der eigenen Sinnhaftigkeit und so ins Leben zu finden und das Leben zu verkörpern.

00:57:35: Was macht dich denn lebendig?

00:57:36: Wie verstehst du?

00:57:37: Lebendigkeit.

00:57:39: Lebendigkeit ist für mich wirklich das, wo wir gerade auch schon waren.

00:57:43: Also Lebendigkeit, der Podcast heißt Omnids Alltag.

00:57:46: Das ist auch wirklich mein tiefster... Also das tiefste Innere sozusagen, was ich dazu spüre.

00:57:52: Für mich ist wirklich Lebendigkeit mit allem, was da ist, mitten rein ins Leben zu gehen.

00:57:58: Also sowohl mit den Herausforderungen oder dem, wo man so denkt, brauche ich jetzt eigentlich nicht so viel an, sozusagen, Anführungsstrichen negativen Emotionen wie natürlich an den ganzen positiven.

00:58:09: Also wirklich das gar nicht so zu werten, sondern das alles als Teil von Leben zu sehen.

00:58:14: Und mit so viel Genuss wie möglich da... durchzuschwingen in großer Schönheit und das auch, ja, das zu spüren.

00:58:22: Also es nicht im Sinne von haben wollen und nicht haben wollen und so weiter, sondern wirklich mit allem, was dazu gehört, was auch zum Mensch sein und zu unserem Leben dazu gehört.

00:58:35: Das ist für mich in höchstem Maße Lebendigkeit.

00:58:37: Und auch immer, das ist, glaube ich, auch begleitet von mir wichtigen, guten Menschen drum herum und Wegbegleitern, also eingebettet wirklich auch in Gemeinschaft.

00:58:49: Das ist für mich auch hochgradig Lebendigkeit.

00:58:52: Ja.

00:58:53: Danke dir fürs Teilen.

00:58:54: Ja,

00:58:54: danke für die schöne Frage.

00:58:56: Und

00:58:58: ließen wir mal dieses jetzige Gespräch ab.

00:59:01: Ich hoffe und wünsche mir, dass da weitere Gespräche folgen werden.

00:59:05: Das

00:59:05: wäre toll.

00:59:06: Das wird mich sehr freuen.

00:59:08: Danke

00:59:08: für all dein Teilen und deine Präsenz.

00:59:11: Ja ebenso und ich hoffe auch wir konnten dich zuhause oder wo auch immer du gerade hier uns gelauscht hast.

00:59:18: Inspirieren oder auch manchmal so anstupsen oder auch Verständnis schaffen.

00:59:23: Vielleicht auch Lust machen auf ein bisschen mehr Yoga Praxis oder wie auch immer.

00:59:28: Genau, danke dass du bis hierhin auch reingehört hast.

00:59:31: Wir freuen uns und ja.

00:59:34: Bis bald an Sophie, würde ich sagen.

00:59:36: Ich freu mich drauf.

00:59:37: Ich mich auch, Kathi.

00:59:39: Bis

00:59:39: bald.

00:59:47: Tschüss.

01:00:03: Tschüss.

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